Nachdem die Diskussion um die neue Vodafone-Kampagne kein Ende nimmt, muss ich auch noch mal ran: Das Schöne ist ja, dass es mal wieder so richtig was zu diskutieren gibt im Web2.0. Nach Zensursula hatte ich schon befürchtet, dass das große Sommerloch ausbricht – oder relevante Themen diskutiert werden: Das unverschämte Verhalten der gerade mal so durch Staatsgelder geretteten Banken, ein Unternehmen, das sich unfähig erweist, ein Atomkraftwerk zu betreiben oder die Wahl einer offenbar zu selten anwesenden Politikerin zur Vizepräsidentin des EU-Parlaments. Und in 75 Tagen ist ja auch schon wieder Bundestagswahl!
Aber zum Glück haben die Web2.0-Selbstdarsteller schnell ihr Lieblingsthema wiedergefunden: Sich selbst.
Und somit wird Zensur und Piratenpartei schnell verdrängt, Sascha Lobo und Don Alphonso liefern sich einen lustigen Schlagabtausch, wobei der Don mal wieder zu Hochform aufläuft. Alles schön und gut im Web2.0.
Dabei ist die Debatte eigentlich absurd: Diejenigen, die sich ohnehin im Web2.0 bewegen, kennen die Vodafone-Angebote und -Preise gut genug, um nicht blind viel zu teure Verträge (DSL, Mobile) abzuschließen, nur weil sie als „Generation Upload“ emotionalisiert werden. (Ich entschuldige mich für diese Marketing-Sprache!) Für sie wären niedrigere Preise und neue Angebote die bessere Vodafone-Werbung.
Und diejenigen, die an den Plakaten vorbeilaufen und die TV-Spots sehen, kennen weder Sascha Lobo noch können sie etwas damit anfangen, dass jemand so schräg singend auf der Bühne steht wie Ragnar Sólberg. Wenn meine Mutter den Spot sieht, würde sie fragen, warum da eine Frau mit Laptop auf dem Dach eines Hochhauses liegt – mit einem kleinen Kind! Das kann doch runterfallen, viel zu gefährlich! Und windig ist es dort auch, das Kind braucht also eine Mütze!
Mein wirklich letzter Absatz zur Vodafone (versprochen!): Die Web2.0-Zielgruppe selbst in die Werbung zu holen ist als Idee nicht schlecht. Wie zu erwarten, waren die Werber dem Konzern noch ein Stück voraus, weshalb die Vodafone-Angebote nicht mit der Werbung mithalten können und die Kampagne an einigen Stellen hakt. Ich bin gespannt, ob sich hier noch etwas tut, oder wie so oft das Controlling über die Kreativität siegt. Ob die Kampagne erfolgreich sein wird für Vodafone oder nicht: Sie liefert jede Menge Anschauungsmaterial für alle Social Media Experten.*
*Ich überlege, ob ich in meinem Seminar an der Uni Jena im Wintersemester einfach nur diese Kampagnen analysieren lasse. Auf Dauer dürfte es aber langweilig werden.